Ryanair hat Passagiere auf "wesentlich höhere" Tarife im kommenden Sommer vorbereitet und einen möglichen Lohnstopp ab April 2025 angekündigt, begründet mit einem Anstieg der Treibstoffkosten um 2 Mrd. Euro durch den US-israelischen Konflikt mit dem Iran. Die Airline meldete einen Rückgang des Vorsteuergewinns im ersten Halbjahr um 16 % auf 2,4 Mrd. Euro.
Wichtigste Erkenntnisse
- Ryanair prognostiziert 2 Mrd. Euro höhere Treibstoffrechnung durch Nahost-Konflikt, der Golf-Raffinerieprodukte betrifft.
- Zweistellige Tariferhöhungen in ganz Europa für Sommer 2027 erwartet; O'Leary peilt bis zu 20 % an, räumt aber Unsicherheit ein.
- Möglicher Lohnstopp ab April 2025 von Unite angefochten, die bindende mehrjährige Verträge unabhängig von der Unternehmensleistung zitiert.
- Winter-Kapazitätskürzungen reichen in den Sommer 2027 hinein; Kurzstreckenangebot bis in die frühen 2030er Jahre begrenzt.
- H1-Vorsteuergewinn fiel um 16 % auf 2,4 Mrd. Euro, da Treibstoffkosten um 15 % stiegen; 80 %-Hedgequote reichte nicht zur vollständigen Kompensation des Anstiegs.
Executive Intelligence Brief
Treibstoffschock zwingt zur Kostenprognose-Revision
Ryanair teilte mit, dass die Treibstoffrechnung kurzfristig um 2 Mrd. Euro (1,6 Mrd. Pfund) höher ausfallen dürfte, da die Kerosinpreise nach dem US-israelischen Krieg mit dem Iran in die Höhe geschossen sind, der die "Lieferung von Raffinerieprodukten aus dem Golf dramatisch reduziert" habe. Konzernchef Michael O'Leary sagte, die Airline erwarte, dass die Treibstoffpreise "weit in das Jahr 2027 hinein" hoch blieben, es sei denn, es gebe eine "schnelle Lösung" des Konflikts.
Zwar waren 80 % des Treibstoffbedarfs der Gesellschaft abgesichert – also zu Festpreisen im Voraus gekauft –, doch die Kosten für den ungesicherten Rest stiegen stark an, was die Gesamtkosten für Treibstoff in den sechs Monaten bis September um 15 % in die Höhe trieb. O'Leary bekräftigte frühere Prognosen, wonach eine Tariferhöhung um 20 % nötig wäre, um die Kerosinkosten zu decken, räumte aber ein: "Ich bin nicht sicher, ob wir die 20 % erreichen. Aber wir schauen sicherlich auf zweistellige Tariferhöhungen in ganz Europa von allen Airlines im Jahr 2027."
Personalkostenkontrolle und Gewerkschaftswiderstand
Da mehrjährige Tarifverträge auslaufen, erwägt Ryanair einen befristeten Lohnstopp ab April 2025 und eine Verlangsamung der Einstellungen. Der Schritt löste sofortigen Widerstand der Gewerkschaft Unite aus, die das Ryanair-Personal vertritt. National Officer Oliver Richardson erklärte, die Gewerkschaft sei "über derartige Vorschläge nicht informiert worden" und verwies darauf, dass die bestehenden mehrjährigen Gehaltsvereinbarungen "das nächste Jahr abdeckten" und "weder an die Unternehmensleistung geknüpft noch von ihr abhängig" seien. Richardson fügte hinzu: "Darauf hatte Ryanair großen Wert gelegt. Daher erwarten wir, dass dies eingehalten wird."
Strukturelle Kapazitätsengpässe bis in die 2030er Jahre
Über die unmittelbaren Kostendruck hinaus signalisierte O'Leary eine anhaltende angebotsseitige Verknappung. Ryanair hat bereits Winterflüge gestrichen und sagte, "weitere werden folgen", ein Trend, der "in der gesamten Airline-Branche, insbesondere bei Kurzstrecken-Carriern" stattfinde. Er prognostizierte, dass die Kürzungen "bis in den Sommer 2027 andauern" und dass "die Kurzstreckenkapazität bis in die frühen 2030er Jahre hinein begrenzt bleiben" werde. Die Airline plant zudem, den Einsatz künstlicher Intelligenz in Back-Office- und Support-Funktionen zu erhöhen, um die Effizienz zu steigern.
Gewinnkontext und Grenzen des Hedgings
Die Halbjahresergebnisse verdeutlichen die Grenzen des Hedgings bei einem anhaltenden Preisschock. Der Vorsteuergewinn sank um 16 % auf 2,4 Mrd. Euro, obwohl die Absicherungsquote bei 80 % lag. Die verbleibenden 20 % offener Position, kombiniert mit höheren Absicherungskosten für künftige Perioden, drücken die Margen. O'Learys Tarifausblick impliziert, dass der Carrier den Großteil des Kostenanstiegs an die Verbraucher weitergeben will, was die Nachfrageelastizität in einem Markt testet, in dem das Angebot gleichzeitig schrumpft.
